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Sesam

Sesam (Sesamum indicum) Pflanze

Sesam wächst als krautige einjährige Pflanze, verzweigt oder unverzweigt, aufrecht mit einer Höhe von bis zu 1,2 Meter. Die Stängel sind vierkantig und fein behaart. Die Blätter stehen gegenständig oder wechselständig, sie haben eine lanzettliche bis eiförmige Form. Die Blattlänge beträgt 4 bis 20 cm, stängelaufwärts kleiner werdend.

 

In den Blattachseln sitzen einzeln und nach unten geneigt die großen Blüten, deren Blütenblätter schräg trompetenförmig zusammengewachsen sind. Die Blütenfarbe ist weiß, rosa oder violett-rosa. Auffällig sind auch die Früchte: Am Stängel aufrecht und oft dicht stehend, länglich geformt und längs deutlich unterteilt. Die Früchte enthalten viele Samen.

 

Sesam gehört zur Familie der Pedaliaceae (Sesamgewächse).


Geschichte und Verwendung von Sesam

Sesam gehört zu den ältesten von Menschen genutzten Ölsaaten. Seine Geschichte reicht bis in prähistorische Zeiten zurück. Ausgrabungen in Harappa (Pakistan) zeigen, dass Sesam dort schon 2.000 vor Christus angebaut wurde.

 

Sesam stammt wahrscheinlich aus Indien, vielleicht kam er aber auch aus Afrika nach Indien. Sesam wird heute weltweit in tropischen, subtropischen und gemäßigten Regionen kultiviert. Der meiste Sesam wird in Afrika angebaut, gefolgt von Asien. Hauptanbauland ist Sudan, gefolgt von Indien und Myanmar. Die weltweite Jahresproduktion von Sesam wird auf über 6 Millionen Tonnen geschätzt (Daten von 2023).

 

In der westlichen Küche spielt Sesam keine große Rolle. Aber in vielen anderen Ländern finden Sesamsamen in Küche und Lebensmittelproduktion Verwendung. Manche dieser Lebensmittel sind auch in Deutschland bekannt: zum Beispiel Tahini (Tahina, Tahin), eine Paste aus gemahlenen, oft gerösteten, Sesamsamen. Oder Hummus, das aus pürierten Kichererbsen und Sesammus zubereitet wird. Oder die Süßspeise Halva (Halwa, Halawa), die auf einer Masse mit Sesammus basiert. 

 

Aus Sesamsamen wird Sesamöl gewonnen. Raffiniertes Sesamöl ist ein hochwertiges Speiseöl. Weil es das Antioxidans Sesamol enthält, wird es nicht ranzig. In der asiatischen Küche hat Sesamöl eine ähnliche Bedeutung wie Olivenöl in der Mittelmeer-Küche.

 

Eine Fülle von wissenschaftlichen Untersuchungen hat zahlreiche biologische Wirkungen von Sesamsamen, Sesamöl und den enthaltenen Lignane gefunden. 

 

Sesamöl wird auch in der kosmetischen Industrie und in der pharmazeutischen Industrie genutzt. 

 

Hinzu kommt der technische Einsatz vor allem des Inhaltsstoffs Sesamin für eine synergistische Wirkung mit Pyrethrum-Insektiziden. Zusätzlich bewirkt Sesamin einen Fraßschutz vor Schädlingen.


Wie wirkt Sesam?

Zahlreiche Untersuchungen unterstützen das Bild, dass Lignan-reiche Sesam-Produkte ein "functional food" sind, das zur Vorbeugung von Krankheiten hilft. Auch ein therapeutischer Einsatz scheint denkbar.

 

Eine wichtige Wirkung von Sesamsamen und Sesamöl sind die antioxidativen Effekte der enthaltenen Lignane und des Tocopherols (Vitamin E). Die antioxidative Wirkung wird noch unterstützt dadurch, dass der Inhaltsstoff Sesamin den Abbau des physiologischen Antioxidans Tocopherol hemmt.

Neben den antioxidativen Eigenschaften wurden auch spezifische molekulare Angriffspunkte und Beeinflussung von Signalwegen berichtet.

 

Untersuchungen zur Wirkung wurden zum Teil mit Sesamsamen (oder Sesamöl) durchgeführt, zum Teil aber auch mit einzelnen Lignanen - oft mit Sesamin. Aus der umfangreichen Studienliteratur lassen sich folgende mögliche biologische Wirkungen zusammenfassen:

  • Phytoöstrogene Wirkung,
  • Hemmung des Wachstums von Krebszellen,
  • Neuroprotektion,
  • Senkung des Herz-Kreislauf-Risikos durch Senkung von Blutdruck, Cholesterolspiegel und Lipogenese,
  • Antiaging-Effekte, 
  • Schmerzreduktion und antientzündliche Effekte,
  • verbesserte Wundheilung (äußerliche Anwendung),
  • Leberschutz,
  • Blutzuckersenkung,
  • Senkung des Osteopore-Risikos,
  • Knorpelschutz
  • Verringerung des Katers nach Alkoholkonsum.

Allerdings gibt es trotz verschiedener Patente bisher kein zugelassenes Arzneimittel, das auf Sesam-Lignanen basiert (Stand 2021).

 

Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite ersetzen nicht eine medizinische oder pharmazeutische Beratung. Sie dienen nicht der Selbstmedikation. Anwendungsgebiete, Wirkungen, Nebenwirkungen und Gegenanzeigen sind hier nicht vollständig beschrieben. Für die geeignete Anwendung fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Bei pflanzlichen Arzneimitteln lesen Sie die Packungsbeilage.


Sesam-Allergie

Eine Allergie auf Sesam kommt regional unterschiedlich häufig vor. Für die USA wird sie mit 0,23 % der Bevölkerung angegeben.

 

In Deutschland zählen Sesamsamen und daraus gewonnene Erzeugnisse zu den 14 häufigsten Auslöser von Allergien und Unverträglichkeiten mit Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel: Entweder muss Sesam hervorgehoben im Zutatenverzeichnis stehen, oder Sesam ist Teil der Produktbezeichnung, oder ein Hinweis wie z.B. "enthält Sesamsamen" muss auf dem Produkt sichtbar sein.


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Sesamsamen im Arzneibuch (Sesami semen)

Sesamsamen (Sesami semen) nach der Monographie im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur. 11.6) sind die

  • Samen von Sesamum indicum* (Synonym: Sesamum orientale*) einschließlich aller Sorten,
  • ganz,
  • getrocknet,
  • mit einem Gehalt von insgesamt mindestens 0,5 % Sesamin und Sesamolin.

Die Farbe der Sesamsamen hängt von der Sorte ab. Die Sesamsamen können weiß, cremefarben, grau, beige, braun, rot oder schwarz sein.


Raffiniertes Sesamöl im Arzneibuch (Sesami oleum raffinatum)

Raffiniertes Sesamöl (Sesami oleum raffinatum) nach der Monographie im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur. 11) ist

  • das fette Öl aus den reifen Samen von Sesamum indicum*,
  • durch Pressung oder durch Extraktion und anschließende Raffination gewonnen,
  • ggf. mit zugesetztem Antioxidans.
  • Durch weitere Raffination können Farbe und Geruch des Sesamöls verbessert werden.

Aussehen: Sesamöl ist eine klare Flüssigkeit mit hellgelber bis fast farbloser Farbe. Bei etwa −4 °C verfestigt sich Sesamöl zu einer butterartigen Masse.

* botanische Schreibweise: Sesamum indicum L. (Synonym: Sesamum orientale L.)


Schwarze Sesamsamen in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM):  Heizhima (Hei Zhi Ma), 黑芝麻

Schwarze Sesamsamen (Sesami semen nigrum) werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) verwendet. Sie gehören dort zur Gruppe der Yin tonisierenden Arzneimittel. Der chinesischen Name (Pinyin) für schwarze Sesamsamen lautet Heizhima (Hei Zhi Ma).

TCM-Merkmale von Heizhima:

  • Temperaturverhalten: neutral
  • Geschmacksrichtung: süß
  • Funktionskreisbezug: Funktionskreise Leber (orbis hepaticus) und Niere (orbis renalis)

TCM-Anwendungsgebiete von Heizhima:

 

In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden Rezepturen mit Heizhima unter anderem bei folgenden Krankheiten oder Beschwerden eingesetzt: Schwindel, verschwommenes Sehen, Verstopfung, Tinnitus und frühzeitiges Ergrauen der Haare.


Sesamsamen in der Japanischen Kampo-Medizin: goma

In der japanischen Kampo-Medizin lautet der Name für Sesamsamen (Sesami semen) goma.

Die Anwendungsgebiete von goma in der Kampo-Medizin umfassen Schwindel und Tinnitus, Leber-Nieren-Yin-Leere, Verstopfung.


Inhaltsstoffe von Sesamsamen und Sesamöl

Zu den Inhaltsstoffe von Sesamsamen gehören:

  • fettes Öl (über 50 %)
  • Lignane
    • Sesamin
    • Sesamolin
  • Proteine (um 20 %)
  • Vitamin E

Sesamin und Sesamolin haben in vivo antioxidative Eigenschaften. In vitro sind sie nur schwach ausgeprägt.

Außerdem entsteht das Lignan Sesamol, wenn zum Beispiel Sesamsamen geröstet oder Sesamöl raffiniert werden. Sesamol ist ein Abbauprodukt von Sesamin. In unverarbeiteten Sesamsamen ist Sesamol nur in Spuren vorhanden. Sesamol ist auch in vitro antioxidativ wirksam. Sesamol wird auch industriell hergestellt.

 

Schwarze Sesamsamen haben im Durchschnitt einen höheren Lignan-Gehalt als weiße Sesamsamen.

 

Die Fettsäurefraktion von raffiniertem Sesamöl enthält vor allem

  • Ölsäure (35 bis 50 %), eine einfach ungesättigte Fettsäure,
  • Linolsäure (35 bis 50 %), eine mehrfach ungesättigte Omega-6-Fettsäure,
  • Palmitinsäure (7 bis 12 %), eine gesättigte Fettsäure.

Sesamsamen haben den höchsten Ölgehalt unter den gängigen Ölsaaten.


Quellen

  • Andargie, M. et al. (2021). Lignans of Sesame (Sesamum indicum L.): A Comprehensive Review. Molecules 26, no. 4: 883. https://doi.org/10.3390/molecules26040883 
  • Bundesminiesterium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) 2025. Allergenkennzeichnung ist Pflicht. Abgerufen 2025-11 von  https://www.bmleh.de/DE/themen/ernaehrung/lebensmittel-kennzeichnung/pflichtangaben/allergenkennzeichnung.html
  • Europäisches Arzneibuch (Ph.Eur.) 11. Ausgabe 6. Nachtrag (Grundwerk 2023), Amtliche deutsche Ausgabe. Deutscher Apotheker Verlag.
  • FAO (2025). FAOSTAT Crops and livestock products. Abgerufen 11-2025 von https://www.fao.org/faostat/en/#data/QCL
  • FAO (2023). Good agricultural practices (GAP) - Sesame (Sesamum Indicum). Nay Pyi Taw. https://doi.org/10.4060/cc7528en
  • Leon, C., & Yu-Lin, L. (2017). Chinese Medicinal Plants, Herbal Drugs and Substitues - an identification guide. Richmond, Großbritannien: Royal Botanic Gartdens, Kew.
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  • Teuscher, E., Melzig, M. F., & Lindequist, U. (2012). Biogene Arzneimittel. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.
  • Warren CM, Chadha AS, Sicherer SH, Jiang J, Gupta RS. Prevalence and Severity of Sesame Allergy in the United States. JAMA Netw Open. 2019 Aug 2;2(8):e199144. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2019.9144. PMID: 31373655; PMCID: PMC6681546.
  • Wie, P, et al. (2022). A Comprehensive Review of Nutritional Value, Phytochemical Composition, Health Benefits, Development of Food, and Industrial Applications. Nutrients. 2022; 14(19):4079. https://doi.org/10.3390/nu14194079 
  • Yi, Z., Zhao, F. F., & Kummer, D. G. (2014). Chinesische Heilpflanzen. Kulmbach: ML Verlag.

Letzte Akualisierung: 08.12.2025