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Weißdorn

Eingriffeliger Weißdorn (Crataegus monogyna)

Eingriffeliger Weißdorn ist ein Strauch oder kleiner Baum. Er wächst 2 bis 10 m hoch, manchmal auch höher. Er ist anspruchsloser als der Zweigriffelige Weißdorn, braucht aber mehr Licht. So wächst Eingriffeliger Weißdorn oft an besonnten Stellen in Gebüschen, Hecken und an Waldrändern, seltener auch in lichten Laubmischwäldern. Oft wurde er als (Schnitt-)Hecke angepflanzt, zum Beispiel an Grundstücksgrenzen.

Das Vorkommen des Eingriffeligen Weißdorns reicht von England und Südskandinavien bis nach Nordafrika, Kleinasien und Westrussland. In Deutschland kommt Eingriffeliger Weißdorn in allen Bundesländern vor.


Zweigriffeliger Weißdorn (Crataegus laevigata)

Zweigriffeliger Weißdorn ist ein Strauch oder kleiner Baum. Er wächst 2 bis 8 m hoch. Seine Standorte sind oft etwas feuchter und schattiger als die Standorte des Eingriffeligen Weißdorns. So wächst er in Laubwäldern, Hartholzauen, Gebüschen, Hecken und an Waldrändern.

Das Vorkommen des Zweigriffeligen Weißdorns reicht von England und dem südlichen Skandinavien bis zum Baltikum, den Pyrenäen und dem nördlichen Südeuropa. In Deutschland kommt Zweigriffeliger Weißdorn in allen Bundesländern vor.


Fünfgriffeliger Weißdorn (Crataegus pentagyna)

Das Europäischen Arzneibuch nennt auch noch Crataegus pentagyna (Fünfgriffeliger Weißdorn, Crataegus pentagyna Waldst. & Kit. ex Willd.). Die Blüte von Crataegus pentagyna hat fünf Griffel, und die Frucht hat fünf Steinkerne. Die Früchte sind tief dunkelrot. Diese Art ist nicht in Deutschland heimisch. Crataegus pentagyna wächst in Südosteuropa.

Weißdorn gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae).


Unterschied Eingriffeliger und Zweigriffeliger Weißdorn

Weißdorn-Arten zu identifizieren ist schwierig. Die Merkmale variieren, es gibt mehrere Arten, Hybride und Sippen. Bestimmungsbücher verwenden teils unterschiedliche Systematiken.

 

Grundsätzliche Unterschiede zwischen Eingriffeligem und Zweigriffeligem Weißdorn lassen sich an Blüten, Früchten und Blättern erkennen:

 

Blüten und Früchte:

  • Eingriffeliger Weißdorn: Blüte hat 1 Griffel. Frucht hat 1 Steinkern.
  • Zweigriffeliger Weißdorn: Blüte hat 2 (bis 3) Griffel. Frucht hat 2 (bis 3) Steinkerne.

Die Zahl der Griffel bzw. Steinkerne sollte stets an mehreren Blüten bzw. Früchten bestimmt werden. Denn bei einer Arten ist die Griffelzahl mit bestimmten Ausnahmen fast immer konstant. Bei Hybriden aus ein- und zweigriffliger Art hingegen treten beide Versionen am selben Strauch auf.

 

Blätter:

  • Eingriffeliger Weißdorn: Blätter tief eingeschnitten; Buchten oft breit und stumpf; Blattlappen nur an der Spitze etwas gezähnt, sonst ganzrandig.
  • Zweigriffeliger Weißdorn: Blätter fast ungeteilt oder nur schwach gelappt; Blattlappen meist breit und stumpf oder abgerundet; Blattrand stumpf gesägt oder gezähnt.

 

Um Eingriffeligen und Zweigriffeligen Weißdorn auch von ihren Hybriden, Sippen und von anderen heimischen Arten zu unterscheiden, müssten weitere Merkmale hinzugezogen werden.


Weißdorn: Wirkung

Die Wirkung von Weißdorn auf die Funktion von Herz und Blutgefäßen wurde intensiv untersucht: So gibt es experimentell Hinweise darauf, dass Weißdorn-Extrakte (Blätter und Blüten) die Kontraktionskraft des Herzens steigern, antiarrhythmisch wirken, Strukturveränderungen (Hypertrophie) der Herzmuskelzellen positiv beeinflussen, Koronargefäße schützen, die Funktion des Endothels (innere Zellschicht der Blutgefäße) verbessern und die Durchblutung der Herzkranzgefäße verbessern.

Auch in klinischen Studien konnten positive Effekte von Extrakten aus Weißdornblättern mit Blüten auf verschiedene Merkmale der Herzleistung gefunden werden. Die Einnahme der Extrakte ist nach aktuellem Kenntnisstand gut verträglich.


Weißdorn: Anwendungsgebiete

Weißdornblätter mit Blüten:

Weißdornblätter mit Blüten bzw. ihre Zubereitungen nach HMPC (Monographie s. u.):

  • Linderung vorübergehender nervöser Herzbeschwerden (zum Beispiel Herzklopfen). Vor dieser Anwendung sollte ein Arzt ausschließen, dass eine schwere Krankheit die Beschwerden verursacht.
  • Besserung des Befindens bei nervlicher Belastung und zur Unterstützung des Schlafes.

Weißdorn-Arzneimittel, die auf Grundlage der HMPC-Monographie in Deutschland registriert sind, nennen als Anwendungsgebiet auch:

  • Unterstützung der Herz-Kreislauf-Funktion.

Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite ersetzen nicht eine medizinische oder pharmazeutische Beratung. Sie dienen nicht der Selbstmedikation. Anwendungsgebiete, Wirkungen, Nebenwirkungen und Gegenanzeigen sind hier nicht vollständig beschrieben. Für die geeignete Anwendung fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Bei pflanzlichen Arzneimitteln lesen Sie die Packungsbeilage.


Monographien "Weißdornblätter", "Weißdornblätter mit Blüten", "Weißdornfrüchte" u.a.

Weißdornblätter mit Blüten (Crataegi folium cum flore) nach dem Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur. 9) sind

  • die Blüten tragenden Zweige von Crataegus monogyna Jacq. (Lindm.), Crataegus laevigata (Poir.) DC. (Synonym Crataegus oxyacanthoides Thuill.; Crataegus oxyacantha auct.) oder ihren Hybriden, seltener auch von anderen europäischen Crataegus-Arten,
  • ganz oder geschnitten, getrocknet,
  • mit einem bestimmten Mindestgehalt an Flavonoiden, berechnet als Hyperosid. 

Quantifizierter Weißdornblätter-mit-Blüten-Fluidextrakt (Crataegi folii cum flore extractum fluidum quantificatum) nach dem Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur. 9) ist

  • der quantifizierte Fluidextrakt aus Weißdornblättern mit Blüten (Crataegi folium cum flore, s.o.),
  • mit einem bestimmten Gehalt an Flavonoiden, berechnet als Hyperosid. 

Weißdornblätter-mit-Blüten-Trockenextrakt (Crataegi folii cum flore extractum siccum) nach dem Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur. 9) ist

  • der Trockenextrakt aus Weißdornblättern mit Blüten (Crataegi folium cum flore, s.o.),
  • mit einem je nach Extraktionsmittel definierten Gehalt an Flavonoiden, berechnet als Hyperosid.

Weißdornfrüchte (Crataegi fructus) nach dem Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur. 9) sind

  • die Scheinfrüchte von Crataegus monogyna Jacq. (Lindm.), und/oder Crataegus laevigata (Poir.) DC. (Synonym Crataegus oxyacantha L.) und/oder von ihren Hybriden,
  • getrocknet,
  • mit einem bestimmten Mindestgehalt an Procyanidinen, berechnet als Cyanidinchlorid.

Weissdornblüten (Crataegi flos) nach dem Deutschen Arzneimittel Codex (DAC) sind

  • die Blüten von Crataegus monogyna Jacq. emend Lindm. und/oder Crataegus laevigata (Poir.) DC. und/oder anderen europäischen Crataegus-Arten,
  • mit einem bestimmten Mindestgehalt an Flavonoiden, berechnet als Hyperosid.

Weißdornblätter mit Blüten (Crataegi folium cum flore) mit der

Einstufung "Traditional use" (traditionelles pflanzliches Arzneimittel) nach

HMPC sind

  • die Blätter und Blüten von Crataegus spp. (entsprechend Ph. Eur.),
  • zerkleinert oder pulverisiert
  • oder als bestimmte Extrakte (Trockenextrakt, Flüssigextrakt, Tinktur)
  • oder als bestimmter Presssaft,
  • zum Einnehmen als Tee oder zum Einnehmen in fester Form (z.B. als Tabletten) oder flüssiger Form (z.B. als Lösung).

Weißdorn: Inhaltsstoffe

Als wichtigste Inhaltsstoffe von Weißdornblättern mit Blüten gelten

  • Flavonoide - z.B. Rutosid (Rutin), Hyperosid, Vitexin, Vitexin-2''-O-rhamnosid
  • Oligomere Procyanidine (OPC)

Weißdornfrüchte enthalten einen ähnlichen Anteil an Procyanidinen aber weniger Flavonoide.


Weißdorn: Historische Bilder


Quellen

  • Blaschek, W. (2016). Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH.
  • Bulletin zur Arzneimittelsicherheit - Informationen aus BfArM und PEI, Ausgabe 4 Dezember 2006: Weißdorn – neue Bewertung durch den Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel. (2006). (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM, Bonn) und Paul-Ehrlich-Institut (PEI, Langen) Hrsg.) Abgerufen 10 2017 von www.bfarm.de/bulletin.
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  • Düll, R., & Kutzelnigg, H. (2005). Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Wiebelsheim: Quelle & Meyer Verlag.
  • Europäisches Arzneibuch (Ph.Eur.) 9. Ausgabe (Grundwerk 2017), Amtliche deutsche Ausgabe. Deutscher Apotheker Verlag.
  • European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) (05.04.2016) : EMA/HMPC/159075/2014. European Union herbal monograph on Crataegus spp., folium cum flore. Abgerufen 04 2019 von https://www.ema.europa.eu/en/medicines/herbal/crataegi-folium-cum-flore.
  • European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) (05.04.2016) : EMA/HMPC/159076/2014. Assessment report on Crataegus spp., folium cum flore - Final.  Abgerufen 04 2019 von https://www.ema.europa.eu/en/medicines/herbal/crataegi-folium-cum-flore.
  • Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR) (2019). Weißdorn. Abgerufen 04 2019 von https://pflanzen.fnr.de/industriepflanzen/arzneipflanzen/pflanzen/weissdorn/.
  • Fürst, R. (2017). Weißdorn – was bleibt? DAZ 2017, Nr. 23, S. 56.
  • Fürst, R. (2018). Pflanzliche Arzneimittel - was wikrlich hilft. Eschborn: Govi.
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  • Jäger, E. J. (2011). Rothmaler - Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen - Grundband sowie Band 3: Gefäßpflanzen: Atlasband. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag.
  • Timmermann, G., & Müller, T. (2016). Wildrosen und Weißdorne Mitteleuropas. Stuttgart: Verlag des Schwäbischen Alpvereins e.V.

Letzte Akualisierung: 06.05.2019