Eingriffeliger Weißdorn ist ein Strauch oder kleiner Baum. Er wächst 2 bis 10 m hoch, manchmal auch höher. Er ist anspruchsloser als der Zweigriffelige Weißdorn, braucht aber mehr Licht. So wächst Eingriffeliger Weißdorn oft an besonnten Stellen in Gebüschen, Hecken und an Waldrändern, seltener auch in lichten Laubmischwäldern. Oft wurde er als (Schnitt-)Hecke angepflanzt, zum Beispiel an Grundstücksgrenzen. Die Blütezeit von Eingriffeligem Weißdorn liegt im Mai bis Juni.
Das Vorkommen des Eingriffeligen Weißdorns reicht von England und Südskandinavien bis nach Nordafrika, Kleinasien und Westrussland. In Deutschland kommt Eingriffeliger Weißdorn in allen Bundesländern vor.
Zweigriffeliger Weißdorn ist ein Strauch oder kleiner Baum. Er wächst 2 bis 8 m hoch. Seine Standorte sind oft etwas feuchter und schattiger als die Standorte des Eingriffeligen Weißdorns. So wächst der Zweigriffelige Weißdorn in Laubwäldern, Hartholzauen, Gebüschen, Hecken und an Waldrändern. Die Blütezeit liegt im Mai (April bis Mai).
Das Vorkommen des Zweigriffeligen Weißdorns reicht von England und dem südlichen Skandinavien bis zum Baltikum, den Pyrenäen und dem nördlichen Südeuropa. In Deutschland kommt Zweigriffeliger Weißdorn in allen Bundesländern vor.
Das Europäischen Arzneibuch nennt auch Crataegus pentagyna (Fünfgriffeliger Weißdorn, Crataegus pentagyna Waldst. & Kit. ex Willd.) als selteneren Bestandteil von Weißdornblätter mit Blüten. Die Blüte von Crataegus pentagyna hat fünf Griffel, und die Frucht hat fünf Steinkerne. Die Früchte sind tief dunkelrot. Diese Art ist nicht in Deutschland heimisch. Crataegus pentagyna wächst in Südosteuropa.
Das Europäischen Arzneibuch nennt auch Crataegus azarolus (Azaroldorn, Crataegus azarolus L.) als selteneren Bestandteil von Weißdornblätter mit Blüten. Die Früchte von Crataegus azarolus sind deutlich größer als die der heimischen Crataegus-Arten. Diese Art ist nicht in Deutschland heimisch. Crataegus azarolus wächst in Nordafrika, dem östlichen Mittelmeerraum und Westasien.
Crataegus gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae).
Weißdorn-Arten zu identifizieren ist schwierig. Die Merkmale variieren, es gibt mehrere Arten, Hybride und Sippen. Bestimmungsbücher verwenden teils unterschiedliche Systematiken.
Grundsätzliche Unterschiede zwischen Eingriffeligem und Zweigriffeligem Weißdorn lassen sich an Blüten, Früchten und Blättern erkennen:
Blüten und Früchte:
Eingriffeliger Weißdorn: Blüte hat 1 Griffel. Frucht hat 1 Steinkern.
Zweigriffeliger Weißdorn: Blüte hat 2 (bis 3) Griffel. Frucht hat 2 (bis 3) Steinkerne.
Die Zahl der Griffel bzw. Steinkerne sollte stets an mehreren Blüten bzw. Früchten bestimmt werden. Denn bei diesen zwei Weißdorn-Arten ist die jeweilige Griffelzahl mit bestimmten Ausnahmen fast immer konstant. Bei Hybriden aus ein- und zweigriffliger Art hingegen treten beide Versionen am selben Strauch auf.
Blätter:
Eingriffeliger Weißdorn: Blätter tief eingeschnitten; Buchten oft breit und stumpf; Blattlappen nur an der Spitze etwas gezähnt, sonst ganzrandig.
Zweigriffeliger Weißdorn: Blätter fast ungeteilt oder nur schwach gelappt; Blattlappen meist breit und stumpf oder abgerundet; Blattrand stumpf gesägt oder gezähnt.
Um Eingriffeligen und Zweigriffeligen Weißdorn auch von ihren Hybriden, Sippen und von anderen heimischen Arten zu unterscheiden, müssten zusätzliche Merkmale zur Bestimmung herangezogen werden.
Die Wirkung von Weißdorn auf die Funktion von Herz und Blutgefäßen wurde intensiv untersucht.
So gibt es experimentell Hinweise darauf, dass Weißdorn-Extrakte (Blätter und Blüten) die Kontraktionskraft des Herzens steigern, antiarrhythmisch wirken, Strukturveränderungen (Hypertrophie) der Herzmuskelzellen positiv beeinflussen, Koronargefäße schützen, die Funktion des Endothels (innere Zellschicht der Blutgefäße) verbessern und die Durchblutung der Herzkranzgefäße verbessern.
Auch in klinischen Studien konnten positive Effekte von Extrakten aus Weißdornblättern mit Blüten auf verschiedene Merkmale der Herzleistung gefunden werden. Die Einnahme der Extrakte ist nach aktuellem Kenntnisstand gut verträglich.
Anwendungsgebiete von Weißdornblätter mit Blüten sind nach HMPC die
Dafür können Weißdorn Blätter mit Blüten in verschiedenen Formen eingenommen werden: zerkleinert als Tee oder pulverisiert in Kapseln oder Tabletten oder als unterschiedliche Extrakte in Tabletten/Kapseln oder Lösung oder als Presssaft.
In Deutschland registrierte Weißdorn-Arzneimittel nennen als Anwendungsgebiet auch die Unterstützung der Herz-Kreislauf-Funktion.
1 knappen Teelöffel Weißdornblätter mit Blüten (ca. 1,5 g) mit ca. 150 ml kochendem Wasser übergießen, nach ca. 10 Minuten abgießen. Diesen Tee 3 bis 4 mal täglich trinken.
Weißdornblätter mit Blüten (Crataegi folium cum flore) nach dem Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) sind die blühenden Triebspitzen von Crataegus monogyna*, Crataegus laevigata* oder ihren Hybriden, oder, seltener, von Crataegus pentagyna* oder Crataegus azarolus*, oder ihren Mischungen, ganz oder zerkleinert, getrocknet, mit einem Gesamtgehalt von mindestens 0,2 % Vitexin-2''-O-rhamnosid-Derivaten, berechnet als Vitexin-2''-O-rhamnosid.
Weißdornblätter-mit-Blüten-Fluidextrakt (Crataegi folii cum flore extractum fluidum) nach dem Europäischen Arzneibuch hat einen Gesamtgehalt von mindestens 0,4 % Vitexin-2“-O-rhamnosid-Derivaten (berechnet als Vitexin-2“-O-rhamnosid).
Weißdornblätter-mit-Blüten-Trockenextrakt (Crataegi folii cum flore extractum siccum) nach dem Europäischen Arzneibuch hat einen Gesamtgehalt an Vitexin-2“-O-rhamnosid-Derivaten (berechnet als Vitexin-2“-O-rhamnosid) von mindestens 1 % bei wässrigen Extrakten oder mindestens 2 % bei wässrig-alkoholischen Extrakten, bezogen auf den Trockenextrakt. Aussehen: Weißdornblätter-mit Blüten-Trockenextrakt ist ein Pulver mit hellbrauner oder grünlich brauner Farbe.
Weißdornfrüchte (Crataegi fructus) nach dem Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) sind die Scheinfrüchte von Crataegus monogyna*, und/oder Crataegus laevigata* (Synonym: Crataegus oxyacantha*) und/oder von ihren Hybriden, getrocknet, mit einem Gehalt von mindestens 0,06 % Procyanidinen, berechnet als Cyanidinchlorid.
Weißdornblüten (Crataegi flos) nach dem Deutschen Arzneimittel Codex (DAC) sind die Blüten von Crataegus monogyna* und/oder Crataegus laevigata* und/oder anderen europäischen Crataegus-Arten, mit einem Gehalt von mindestens 1,5 % Flavonoiden, berechnet als Hyperosid.
* botanische Schreibweise: Crataegus monogyna Jacq. (Lindm.), Crataegus laevigata (Poir.) DC., Crataegus pentagyna Waldst. et Kit ex Willd., Crataegus azarolus L.
Als wichtigste Inhaltsstoffe von Weißdornblättern mit Blüten gelten
Weißdornfrüchte enthalten einen ähnlichen Anteil an Procyanidinen aber weniger Flavonoide.
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